Veränderungen der näheren Umgebung und des Ortsbildes
Die Umgestaltung der Landschaft und des Ortsbildes, die Verbesserung der Verkehrslage und die Änderung der wirtschaftlichen Struktur des Ortes begann mit dem Bau der Bahnlinie Göttingen-Bodenfelde. Nach der endgültigen Festlegung der Strecke und nach Abschluss der Verhandlungen über den Ankauf der Grundstücke wurde im Jahre 1909 mit den Erdarbeiten für die eingleisige Bahn begonnen. Die Eröffnung der Bahnstrecke erfolgte am 15. August 1910.
Eine weitere einschneidende Veränderung brachte der im Jahre 1934 begonnene Bau einer Luftwaffenmunitionsanstalt auf dem Harster Berg und in der Lieth. Zahlreiche Wohnhäuser für Soldaten und zivile Bedienstete wurden errichtet und Arbeitshallen erbaut. Eine neu angelegte, durch Alleebäume getarnte Straße führte zu den im Wald verstreut liegenden Betonbunkern, die zur Lagerung der fertigen Munition dienten. Das gesamte Munagelände war von einem hohen Drahtzaun umgeben und Tag und Nacht bewacht.
Im Jahre 1939 begann der Abbau in der zwischen Lenglern und Elliehausen gelegenen Erzgrube „Maria-Caroline“, deren Eigentümer die Mannesmann-Röhrenwerke waren. Auf Grund des Bergbaurechtes wurde das Gebiet von den Besitzern gepachtet und nach der Ausbeute im Jahre 1961 eingeebnet zurückgegeben. Die Erzhaltigkeit der Brauneisenstein-Lagerstätte betrug rund 35 %. Das Erz wurde mit einer betriebseigenen Kleinbahn an die Bodenfelder Bahnstrecke gebracht und in Duisburger Hochöfen verhüttet. — Auf dem Gelände der ehem. Erzgrube befindet sich jetzt eine Baumschule.
Ein freundliches Aussehen erhielt der Südhang des Großen Kramberges durch die Anpflanzung von Schwarzkiefern. Die Bepflanzung Wurde im Sommer 1953 unter der Anleitung des Forstamtes Bovenden durch Schulkinder begonnen und 1962 fortgesetzt. Insgesamt sind bisher 2 ha des der Kirchengemeinde gehörenden Geländes bepflanzt worden. Auch durch Pappelpflanzungen ist an verschiedenen Stellen der Feldmark zur Verbesserung des Landschaftsbildes ein guter Anfang gemacht. Auch der Friedhof ist mit schönem Baumbestand versehen. Hier wurde außerdem 1952 aus alten Grabsteinen eine Friedhofskapelle errichtet.
Durch die Neubauten an der Goethe- und Schillerstraße, den begonnenen Ausbau der Angerstraße und die Errichtung von 24 Nebenerwerbssiedlungen auf dem Zoppenvorrat, mit denen die Niedersächsische Heimstätte in diesem Jahre begann, hat sich das Dorf im äußeren Bild beträchtlich gewandelt. Auch der Ostabhang des Großen Kramberges, der in die Bebauungspläne einbezogen ist, wird sein Aussehen vollkommen verändern. Die Erschließungsarbeiten für die geplante Siedlung, in der 78 Häuser von der Volksheimstätte errichtet werden sollen, sind bereits beendet.
Im Zuge dieser Ortserweiterungen haben sich auch größere Firmen in Lenglern niedergelassen. Seit dem Jahre 1960 befindet sich die 1828 in Göttingen gegründete Firma F. C. Rittmeyer Wwe. K. G. mit ihrem Hauptbetrieb in Lenglern. Die Umsiedlung erfolgte in dem Bestreben, in räumlicher Nähe der Landwirtschaft zu sein, in deren Diensten sie seit der Gründung stets stand: Ihr Hauptbetätigungsgebiet ist der Handel mit Landmaschinen aller Art, für die auch eine moderne eingerichtete Reparaturwerkstatt zur Verfügung steht. Am 5. April 1888 wurde in Göttingen die Firma Gebr. Ruhstrat gegründet. Durch den fortschreitenden Ausbau des Unternehmens wurde der zur Verfügung stehende Raum zu eng, und so erwarben die Besitzer im Jahre 1960 in Lenglern ein rd. 13 000 m2 großes, in nächster Nähe des Bahnhofes gelegenes Grundstück. Seit dem Jahre 1962 ist das neue Werk voll in Betrieb. Sämtliche Anlagen in den Werkhallen sind nach rationellen betriebstechnischen Erkenntnissen durchdacht und errichtet. Das Fertigungsprogramm umfasst elektronische Geräte, besonders Widerstände, Transformatoren, Messgeräte, Industrie- und Laboratoriumsöfen und Isolierkammern. In einer eigenen Lehrlingswerkstatt werden etwa 40 Nachwuchskräfte ausgebildet. Auf sozialem Gebiet erstrecken sich die Bemühungen der Werksleitung u. a. auf Weihnachtsgeld, Treueprämien und Überbrückungsgelder. Eine Werkskantine sorgt für das Wohl der Betriebsangehörigen. Eine umfangreiche Bücherei bietet Lesestoff, und für sangesfreudige Mitglieder ist ein Werkschor gegründet. Ruhstrat-Fabrikate werden nicht nur in alle Länder Europas sondern auch nach Übersee exportiert. Die Firma Raulf, Göttingen, die zur Zeit die Kanalisationsarbeiten ausführt, hat östlich vom Dorfe ein ca. 17 Morgen großes Grundstück erworben, das als Lager und Parkplatz dient. Hier sollen außerdem Reparaturhallen und Wohnhäuser errichtet werden. In der Nähe des Bahnüberganges an der Ostlandstraße wurde 1964 die Gärtnerei Unger angelegt. Der Betrieb ist auf Schnittgrün spezialisiert.
Nicht nur durch die Neubauten an der Peripherie veränderte sich das Ortsbild, im Ortskern selbst wurde manches altersschwache Wohnhaus abgebrochen. So konnte nach dem Abbruch dreier baufällig gewordener Häuser der jetzige Schulplatz angelegt werden. Neue Wohnhäuser wurden errichtet; andere alte Häuser wurden um- und ausgebaut.
Das bei der Trennung von Kirche und Schule 1936 an die Kirche gefallene alte Schul- und Küsterhaus wurde von der Gemeinde zurückgekauft. Das Gebäude wurde großzügig ausgebaut und darin außer den Räumen für die Gemeindeverwaltung und der Organistendienstwohnung noch weitere Mietwohnungen, eine Arztpraxis und ein Dienstzimmer für die Poststelle eingerichtet.
Das Ehrenmal für unsere Gefallenen hat seinen Platz vor der Kirche erhalten. Es besteht aus Odenwälder Granit und hat die Form eines Obelisken mit darauf gesetztem Eisernen Kreuz. An den Seiten des Hauptblocks sind die Namen der Gefallenen eingemeißelt. Am 20. November 1921 wurde es eingeweiht. Nach dem 2. Weltkrieg brachte man am Fuße Granitplatten mit den Namen der gefallenen und vermissten Soldaten der Alt- und Neubürger an und weihte das erweiterte Ehrenmal am 18. November 1956 wieder ein.
Der Tie, der alte Mittelpunkt und Versammlungsplatz der Dorfgemeinde, ist zum Parkplatz geworden. Die EAM errichtete darauf ein Transformatorenhaus und die Post erstellte hier ein Fernsprechhäuschen. Um den Ausbau und die Verbesserung der Straßen hat die Gemeinde sich viel bemüht, Schilder bezeichnen seit 1962 die Namen der Straßen, die zum Teil neu benannt wurden, und neue Hausnummern ersetzen die bis dahin fortlaufende Zählung der Häuser.
Der immer stärker werdende Verkehr auf den Ortsstraßen hat schon lange die jungen Mädchen vertrieben, die an warmen Sonntagabenden Arm in Arm lange Ketten bildend, singend durch den Ort zogen. Verklungen ist das Horn des Nachtwächters, der es auf seinen Rundgängen ertönen ließ. Verklungen ist ebenfalls die Schelle des Ausrufers, und Anschlagtafeln verkünden nun die Bekanntmachungen der Gemeindeverwaltung. Auch der „Swän“ tutet nicht mehr in sein Horn, um die Schweine auf die Weide zu führen.
Die beiden Weltkriege und ihre Folgen
Eine lange Zeit friedlicher Entwicklung wurde 1914 durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges jäh abgebrochen. Viele Männer des Dorfes mussten hinaus an die Fronten ziehen. Vielfach waren die Frauen gezwungen, die Führung des Hofes oder Betriebes allein zu übernehmen. Von den Kriegsteilnehmern kehrten 33 nicht in die Heimat zurück. Zu ihrem Gedenken wurde ein Ehrenmal vor der Kirche errichtet. Gleich nach dem Kriege setzte eine sich mehr und mehr steigernde Geldentwertung ein. Viele Arbeiter wurden arbeitslos und mussten ihre Familien von einer geringen Arbeitslosenunterstützung ernähren. Auch die während des Krieges eingeführte Rationierung der Lebensmittel wurde noch lange aufrecht erhalten.
Weit mehr als von 1914 bis 1918 bekam die Heimat im 2. Weltkrieg von den Lasten und dem Elend des Krieges zu spüren. Sofort nach dem Ausbruch begann die Verdunklung aller Lichtquellen zum Schutz gegen Fliegerangriffe. Auf dem Tie und auf dem Graseweg wurden Splittergräben gebaut. Zum Glück erfolgten jedoch auf das Dorf und die nahe gelegene Muna keine Luftangriffe. Kriegsgefangene und polnische Zwangsarbeiter wurden in den landwirtschaftlichen Betrieben als Hilfskräfte eingesetzt. Russische Kriegsgefangene arbeiteten in der Muna. Wegen der Luftangriffe auf Hannover kamen 1943 von dort die ersten vorsorglich Evakuierten in unser Dorf. Als sich die Amerikaner und Engländer der deutschen Westgrenze näherten, trafen weitere Evakuierte aus der Eifel und dem Aachener Raum hier ein. Die größte Not unseres Vaterlandes aber lernte das Dorf durch die mehr und mehr hereinströmenden Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten kennen, die zuerst in Baracken und Sälen aufgefangen und dann in den Häusern untergebracht wurden. Die Einwohnerzahl stieg in dieser Zeit von 750 im Jahre 1939 auf das Doppelte. Am 9. April 1945 besetzten amerikanische Truppen Lenglern. Eine deutsche Eisenbahngeschützbatterie hatte am Tage zuvor auf dem Bahnhof Stellung bezogen. Ein Feuerüberfall dieses Geschützes auf die von Esebeck heranrückenden amerikanischen Truppen wurde von der feindlichen Artillerie sofort erwidert. Die Granaten schlugen direkt in den Eisenbahnzug und töteten vier Soldaten, von denen drei zunächst auf unserem Friedhof beerdigt wurden. Bei einem Nachhutgefecht fielen sieben deutsche Soldaten östlich des Dorfes an der Straße nach Bovenden und im Unteren Holz. Auch sie wurden bis zur späteren Überführung auf einen Soldatenfriedhof auf unserem Friedhof beigesetzt. Zwei russische Kriegsgefangene und eine polnische Arbeiterin ruhen noch dort.
Von den Kriegsteilnehmern aus Lenglern und von den Angehörigen der jetzt hier wohnenden Vertriebenen kehrten 83 nicht zurück. Unter ihnen sind 36 Vermisste.
Auf Anordnung der Besatzungsmacht wurden die Bunker der Munitionsanstalt gesprengt und die Straßen aufgerissen. Das gesamte Gelände übernahm später die Bundesvermögensverwaltung. In den verschonten Werkhallen richteten sich verschiedene Betriebe ein. Seit 1949 stellt hier die Firma Ochs Glasgeräte aller Art her. Mit Leuchtröhren für Reklamezwecke wurde begonnen. Die Fertigung von Zählröhren für Isotopenforschung ist aufgenommen. Laufend wurden Barometer und Geräte für die Wetterkunde angefertigt. Ebenso arbeitet dort seit 1959 die Firma „Göttinger Farbfilter“, die als selbständiges Unternehmen seit 1953 in Göttingen besteht. Es handelt sich um einen Spezialbetrieb für die Herstellung von Lichtfiltern, hauptsächlich für wissenschaftliche und fotographische Zwecke. Die Firma exportiert nach vielen europäischen und überseeischen Ländern. In den ehemaligen Verwaltungs- und Wohnbauten begann der Landkreis Göttingen zusammen mit dem DRK im Jahre 1948 mit dem Aufbau eines Tuberkulose-Krankenhauses, das sich inzwischen durch Neubauten vergrößert hat.
Die ersten Nachkriegsjahre waren besonders schwer, und die Überwindung der Kriegsschäden, die Aufhebung der Rationalisierung aller Verbrauchsgüter, besonders der Nahrungsmittel, setzte erst nach der Einführung der Deutschen Mark im Jahre 1948 ein.
Kirche und Schule
Auch an der Kirche sind die Kriegsereignisse nicht spurlos vorübergegangen. Schmerzlich war für die Gemeinde besonders die wegen der Metallknappheit angeordnete Ablieferung der Bronzeglocken. Sie erfolgte 1917 und betraf in Lenglern die zwei großen Glocken. An ihre Stelle traten 1922 zwei neue Stahlglocken, die von der Gemeinde gestiftet waren. Auch die Zinnpfeifen der Orgel wurden 1917 geopfert. Sie konnten erst 1930 ersetzt und die Orgel gleichzeitig erneuert und verbessert werden. Glocken und Orgel erhielten elektrischen Antrieb. Die während des 2. Weltkrieges abgelieferte kleine Bronzeglocke erhielt die Kirchengemeinde unbeschädigt zurück, nachdem sie auf dem Hamburger „Glockenfriedhof“ ausfindig gemacht worden war. In den Jahren 1957/58 wurde der Innenraum der Kirche einer gründlichen Renovierung unterzogen. Man begradigte den nach dem Kirchturm zu sanft ansteigenden Fußboden aus Sandsteinplatten, dabei kamen die Fundamente der alten Kirche zum Vorschein, und belegte ihn neu. Das Gestühl wurde modernisiert und Gasheizung eingebaut. Neue Decken- und Seitenleuchten füllen nun abends den Raum mit einem angenehmen Licht. Die verwendeten Farben lehnen sich eng an den Stil der Erbauungszeit an. Die Kosten für die Erneuerung sind zum Teil aus dem Verkauf des Küsterhauses gedeckt.
Auf Beschluss des Gemeinderates wurde 1959 der Kirchturm, der bisher von der politischen Gemeinde instand zu halten war, neu mit Schiefer belegt und anschließend der Kirchengemeinde Lenglern zur weiteren Pflege übergeben. Bei den Bauarbeiten mussten Turmknopf und Wetterfahne vorübergehend abgenommen werden. Im Knopf befinden sich zwei kupferne Schatullen mit Nachrichten aus den Jahren 1780, 1834, 1901 und 1924. Die Schriftstücke waren in bestem Zustand. Einige Schüsse der 1945 durchziehenden amerikanischen Truppen hatten zwar Turmhelm und Knopf getroffen, die Schatullen waren jedoch unversehrt geblieben. Nach altem Brauch legte man neue Schriftstücke hinzu, bevor der Turmknopf wieder aufgesetzt wurde.
Die Schule war bis zum Beginn des 2. Weltkrieges dreiklassig und mit zwei Lehrern besetzt. Wegen der zunehmenden Kinderzahl durch die Evakuierten wurde im Jahre 1947 eine 3. und zwei Jahre später eine 4. Lehrerstelle eingerichtet. Zur Zeit unterrichten ein Hauptlehrer und zwei Lehrerinnen an der Schule.
Waren früher mit dem Schuldienst verschiedene kirchliche Dienste verbunden, so erfolgte im Jahre 1920 die Abtrennung des niederen Küsterdienstes von der 1. Lehrerstelle, und 1936 wurde auch die organische Verbindung der 1. Lehrerstelle mit dem Organistendienst gelöst.
Im Jahre 1928 richtete der Landkreis Göttingen für unseren Ort und einige Nachbargemeinden eine Ländliche Berufsschule für Jungen in der Volksschule ein. Als später auch die Mädchen berufsschulpflichtig wurden, erfolgte der Ausbau der unteren Räume der Dienstwohnung des 2. Lehrers zur Lehrküche. Diese Räume sind seit dem Auszug der Berufsschule in eine Baracke vor dem Krankenhaus als Lehrer- und Lehrmittelzimmer in Benutzung. Weil die vorhandenen Klassenräume nicht ausreichen, wurden 1954 die beiden oberen Räume der Dienstwohnung zu einem Behelfsklassenraum umgebaut. Die alten Schulbänke wichen 1955 neuen Tischen und Stühlen. Eine Gasheizung wurde 1958 in Betrieb genommen.
Äußerlich stand das aus heimischem Duckstein roh gefügte Schulhaus kasernenmäßig da, bis es im Jahre 1955 eine gründliche Renovierung erfuhr. Der Klassenraum im Erdgeschoß erhielt eine durchgehende Fensterfront, und ein heller Putz gibt dem Gebäude nun ein freundlicheres Aussehen. Doch alle Verbesserungen täuschen nicht darüber hinweg, dass das Schulhaus weder groß genug ist, noch den Anforderungen, die der heutige Unterricht stellt, genügt. So musste das 1962 eingeführte 9. Schuljahr 3 Jahre in der Baracke der Berufsschule unterrichtet werden. Seit 1965 wird das 9. Schuljahr in Göttingen unterrichtet, und ab Ostern 1966 erhalten auch die Schüler des 8. Schuljahres in Göttingen Unterricht. Es wird allseitig begrüßt, dass der Bau einer Mittelpunktschule bald erfolgen soll.
Aus dem Vereinsleben
Der älteste Verein unseres Dorfes ist der Männer-Gesangverein „Concordia“. Dieser konnte im Jahre 1947 auf ein 100jähriges Bestehen zurückblicken. Die Tradition der Pflege des deutschen Liedes wird, da dieser Verein z. Zt. ruht, von einem im Jahre 1958 gegründeten Gemischten Chor fortgeführt.
Auf sein 60jähriges Bestehen konnte der Radfahrverein „Fahr Wohl“ im vergangenen Jahr zurückblicken. Ursprünglicher Zweck desselben waren gemeinsame Wochenendausflüge, die nach einer arbeitsreichen Woche der Erholung dienen sollten. Mit geschmückten Fahrrädern ging es auf Wanderfahrten: durch ganz Südhannover bis zum Brocken oder nach der Edertalsperre. Doch bald ging man auch zum Saal-Radsport und Kunstfahren über. Während des 1. Weltkrieges musste der Verein seine Tätigkeit unterbrechen. Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges kam der Sport wieder gänzlich zum Erliegen und wurde nach dem Kriege durch die Besatzungsmacht verboten. Er konnte nach Aufhebung dieses Verbotes im Jahre 1951 wieder neu gegründet werden.
Am 19. Mai 1911 gründeten 16 junge Männer den Turnverein „Friesen“. Aus dem 1. Weltkriege kehrten 7 Turnbrüder nicht wieder in die Heimat zurück. Im Jahre 1930 kam es zur Gründung eines Fußballklubs, der sich im Jahre 1937 mit dem Turnverein zusammenschloss. Durch den 2. Weltkrieg, aus dem 21 Mitglieder nicht wieder zurückkehrten, kam jegliche Sportarbeit zum Erliegen. Nach dem Zusammenbruch 1945 wurden sämtliche Turnvereine durch die Besatzungsmacht verboten. Im Jahre 1949 entstand aus der Vereinigung des Turnvereins und des Fußballklubs die „Sportgemeinschaft Lenglern“, in der ab 1957 auch Tischtennisspieler sportlich tätig sind. Der erste Sportplatz entstand 1930 auf der „Breiten Wiese“. Ein neuer Sportplatz wurde 1949 in der ehemaligen „Muna“ eingeweiht. Seit dem Jahre 1961 können die Sportler ihre Übungen und Wettkämpfe auf einem 75 a großen, nordöstlich des Dorfes gelegenem Platz durchführen.
Zu den sportlich sich betätigenden Vereinen soll an dieser Stelle auch der im Jahre 1890 gegründete Kegelklub „Alle Neune“ genannt werden. Wenn auch die Vereinstätigkeit widriger Umstände halber z. Zt. ruht, hoffen die Kegelbrüder doch, dass sie in nicht allzuferner Zeit wieder die Kugeln um den Gold-, Silber- und Holzkegel rollen lassen oder mit den Nachbarvereinen ihre Preiskegeln veranstalten können.
Wenn auch die Lenglerner Schützentradition bis in das Jahr 1758 nachweislich zu verfolgen ist, so wurde ein eigentlicher Schützenverein doch erst im Jahre 1934 gegründet. Jugendliche traten dem Verein erstmalig im Jahre 1936 bei. Im Jahre 1935 legte man im Walde der Realgemeinde an der Straße nach Emmenhausen einen 50 m KK.-Schieß-Stand an. Geplant war ein massives Schützenhaus und ein Anzeigerstand mit Betonbunker. Es wurde jedoch nur der Betonbunker gebaut und statt des massiven Schützenhauses nur eine Baracke aufgestellt. Diese Baracke ging in den ersten Nachkriegsjahren durch den Verkauf seitens der Gemeinde verloren. Wie alle Schützenvereine, so wurde auch der unserige durch die Besatzungsmacht im Jahre 1945 verboten. Nach der Aufhebung des Verbotes fand 1954 die Wiedergründung des Vereins stat. Die ersten Schießübungen begannen mit 2 neu angeschafften Luftgewehren auf dem Saal bei Reddersen. Ein KK.-Gewehr wurde dem Verein von den Bovender Schützenbrüdern zur Verfügung gestellt. Im Jahre 1955 begann der Bau der Blenden für einen vorschriftsmäßigen Schießstand. In vorbildlicher Zusammenarbeit der Schützenbrüder konnte 1956 das Schützenhaus errichtet und der Schießstand eingeweiht werden. Der Verein verwahrt 2 Traditionsfahnen, die Schützenfahne von 1895 und die Junggesellenfahne von 1902 sowie eine Truhe mit altem Aktenmaterial.
Eine dem Radfahrverein angehörende Spielergruppe trat erstmalig im Jahre 1954 mit einem Theaterstück an die Öffentlichkeit. Zwei Jahre später trennte sich die Gruppe von den Radfahrern und gründete einen selbständigen Verein. In etwa jährlichen Abständen bringen die Spieler ernste und heitere Stücke zur Aufführung.
Gemeinnützige Einrichtungen und Organisationen
Im Jubiläumsjahre unseres Dorfes kann die Freiwillige Feuerwehr auf ein 60jähriges Bestehen zurückblicken. In ihrem Gründungsjahre 1906 wurde für sie von der Firma Vogel in Speyer eine Handdruckspritze für 1 800 Goldmark angeschafft. Es war die modernste Spritze im Landkreis Göttingen (360 I pro Minute). Nachdem die Freiw. Feuerwehr über genügend Mitglieder verfügte, um den Feuerschutz allein übernehmen zu können, wurde die bislang noch bestehende Pflichtfeuerwehr im Jahre 1934 aufgelöst. In diesem Jahre wurde ein Spielmannszug gegründet. Im Jahre 1949 bekam die Wehr die erste Motorspritze und zwar aus dem Bestande der ehem. Munitionsanstalt Lenglern. Auf Anregung des damaligen Bürgermeisters und Gemeindedirektors Angerstein wurde 1955 für die Wehr von der Gemeinde die erste Fahne gestiftet. Im Jahre 1957 erhielt sie ihr erstes Fahrzeug und 2 Jahre später wurde eine neue VW-Motorspritze angeschafft. An Stelle des alten Fahrzeuges erhielt die Wehr im Jahre 1965 ein neues Löschfahrzeug. Seit ihrem Bestehen war die Freiw. Feuerwehr 8 mal in unserem Dorfe und einmal in Emmenhausen im Einsatz. Für die Gemeinde Emmenhausen hatte die Gemeinde Lenglern den Feuerschutz unentgeltlich übernommen. Das Abkommen war bis zum Jahre 1946 gültig.
Das erste Feuer brach am 1. Kirmestag 1910 bei Ahlborn (Harstertor) aus, wobei das Wohnhaus abbrannte. Im Jahre 1912 entstand ein Brand bei König (Kirchgasse). Ein Jahr später brannten die Gebäude des Landwirtes Tostmann ab. Im Jahre 1917 entstand bei F. Steinecke (Obere Kirchgasse) ein Großfeuer. Im Jahre 1920 brannten Scheune und Stallungen des Landwirtes von Böventer ab. Bei dem Landwirt Winzenburg in Emmenhausen entstand 1927 ein Großfeuer. Im Jahre 1929 brannte die Scheune des Landwirtes von Roden (Steinfeld) ab, bei dem 1936 Stall und Scheune zum zweiten Male abbrannten. Auch bei dem Landwirt von Böventer entstand 1939 ein zweiter Brand, dem wieder die Scheune und Stallungen zum Opfer fielen. In allen Fällen gelang es der Freiw. Feuerwehr, das Übergreifen des Feuers auf die Nachbargebäude zu verhindern, das Großvieh konnte jedesmal gerettet werden.
An den vom Lande Niedersachsen angeordneten Kreiswettkämpfen nahm die Wehr regelmäßig teil. Auf Grund der guten Erfolge konnte sie achtmal den Landkreis Göttingen bei den Regierungs-Bezirkswettkämpfen vertreten. Die Freiw. Feuerwehr hat z. Zt. 32 aktive und 53 passive Mitglieder. Seit ihrem Bestehen wurde sie von 9 Ortsbrandmeistern geführt. Zu besonderem Dank fühlt sich die Wehr ihrem ältesten Kameraden, dem 81 jährigen Gustav Fricke (allerseits unter dem Namen „Maschinen-Fricke“ bekannt) verpflichtet, der als 3. Brandmeister die Wehr im Jahre 1919 übernahm und ihr heute noch auf Grund seiner langjährigen Erfahrung zu jeder Zeit mit gutem Rat zur Seite steht.
Der Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes wurde nach dem 2. Weltkrieg wieder ins Leben gerufen. In wenigen Jahren erreichte dieser einen Stand von 120 Mitgliedern. Die Bereitschaft ist eine der stärksten des Landkreises Göttingen.
Namentlich aufgeführt seien an dieser Stelle die hiesigen Ortsgruppen des Reichsbundes der Kriegs- und Zivilgeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen, sowie des Bundes der Vertriebenen (BdV) und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.
Bereits vor Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde unser Ort an die Überlandzentrale Edertalsperre angeschlossen. Bis zum Jahre 1960 behielt die Gemeinde das Ortsnetz in eigener Regie, dann wurde es an die EAM abgetreten.
Im Jahre 1919 gründeten 33 Einwohner eine Spar- und Darlehnskasse, die im Jahre 1955 am Westausgang des Graseweges ein Lagerhaus erbaute. Das Grundstück erwarb die Kasse von dem Landwirt Zabel. Ein draufstehendes unscheinbares Wohnhäuschen wurde abgebrochen. Die Geschäftsräume befanden sich zuerst in der Wohnung der jeweiligen Rendanten, bis im Jahre 1958 in dem Lagerhaus 2 Diensträume eingerichtet wurden. Neben dem Geldverkehr tätigt die Kasse einen umfangreichen Warenverkehr mit Futter- und Düngermitteln, Brennstoffen, Saatgut, Getreideumschlag u. a. Im Zuge der Rationalisierung wurde die Kasse im Jahre 1959 mit denen von Holtensen, Elliehausen und Esebeck zusammengelegt.
Im Jahre 1960 errichtete die Kreissparkasse Göttingen in unserem Orte eine Hauptzweigstelle.
Im Jahre 1936 wurde eine Wasserleitung erbaut. Das Wasser liefert eine ergiebige Quelle auf einem Grundstück des Landwirtes Siedentopp in Emmenhausen, das von der Gemeinde käuflich erworben wurde. Die Verbraucher schlossen sich zu einer Wassergenossenschaft zusammen. Das Wassergeld wurde nach dem Besitzstand an Land und Vieh und nach Haushaltungen umgelegt. Da sich die Rohre NW 100 als zu klein erwiesen, wechselte man sie im Jahre 1958 gegen Rohre NW 120 und NW 150 aus und errichtete im Oberholz einen 200 m3 fassenden Hochbehälter, zu dem das Wasser durch eine an der Straße befindliche Pumpstation befördert wird. Im Jahre 1962 wurde die Wassergenossenschaft aufgelöst und die Verwaltung von der Gemeinde übernommen. Um eine gerechte Verteilung der Benutzungsgebühr zu erreichen, sind seit demselben Jahr Wasseruhren eingeführt. — Bei dem Auswechseln der Rohre im Jahre 1958 machte man eine erstaunliche Entdeckung: In der Nähe der Wellbrücke steckte in einem alten Rohre ein etwa 90 cm langer, 8 cm dicker Holzpfahl! Lag ein Versehen der Rohrleger vor? War es ein unüberlegter Schabernack? War der Pfahl der Hauptgrund für den geringen Wasserzulauf? Diese Fragen werden wohl nie zu beantworten sein. Der Pfahl aber wird zur Erinnerung im Gemeindebüro aufbewahrt.
Nahe an unserem Dorf führt eine Ferngasleitung vorbei. Daher nahmen die meisten Einwohner die Gelegenheit wahr, ihre Häuser anzuschließen, um mit Gas kochen Und heizen zu können. In der Lehmkuhle wurde eine Reglerstation errichtet, von der aus der Anschluss an die Hochdruckfernleitung der Salzgitter GmbH vermittelt wird. Die Inbetriebnahme des Gas-Ortsnetzes erfolgte am 19.5.1953.
Der Bau der seit langen Jahren geplanten Vollkanalisation des Dorfes konnte im Jahr 1964 begonnen werden. Das gesamte Kanalnetz hat eine Länge von 15 km. Eine Kläranlage braucht nicht gebaut zu werden, da das Schmutzwasser durch eine 2 km lange Leitung in das Kanalsystem der Stadt Göttingen geführt und von der Stadt geklärt wird. Die Arbeiten sollen am 1.10. ds. Js. beendet sein. Die gesamte Anlage, einschließlich der neu verlegten Wasserleitung, werden lt. Kostenvoranschlag 2,6 Millionen kosten.
Die jetzige wirtschaftliche Struktur des Ortes
Die rd. 825 ha große landwirtschaftliche Nutzfläche Lenglerns wird von 34 selbständigen Landwirten bewirtschaftet. Fünf ehemalige Ackerhöfe sind z. T. wegen fehlender Hoferben im Ganzen oder parzelliert verpachtet. 74 Grundstückseigentümer, zu denen auch das Domänenrentamt Northeim, das Forstamt Bovenden und die Bundesbahn gehören, haben ihren Wohnsitz außerhalb, die meisten von ihnen in den Nachbargemeinden. 74 ha beträgt der Landbesitz der Kirche, Pfarre und Küsterei.
Um den mehr und mehr fühlbar gewordenen Mangel an Hilfskräften auszugleichen, mussten große Investitionen für landwirtschaftliche Maschinen vorgenommen werden, durch die den Bauern und Bäuerinnen die Arbeit erleichtert und Zeit gespart wird. So erklärt sich z. D. der groteske Rückgang des Pferdebestandes von 73 auf gegenwärtig 6. Die Arbeitsleistung der Pferde wird von 39 Traktoren übernommen. Zeugt es nicht auch von dem fortschrittlichen Sinn unserer Landwirte, wenn sie die im Laufe der Zeit immer wieder verbesserten Erntemaschinen in ihren Dienst stellten: von der Sense über die Flügelmaschine und den Selbstbinder zum Mähdrescher! Acht Mähdrescher erledigen heute in wenigen Wochen die gesamte Getreideernte. Seit der Jahrhundertwende ist der Zuckerrübenanbau um fast 150% gestiegen. Der Tabakanbau, früher eine gute Einnahmequelle, wird seit 1956 nicht mehr betrieben. Damit sind auch die an den Hauswänden an langen Schnüren aufgehängten „Sandblätter“ aus dem Ortsbild verschwunden. Die Rindvieh- und Schweinehaltung erfuhr eine Steigerung um etwa 50%. Fast zur Bedeutungslosigkeit ist dagegen die Ziegenzucht herabgesunken. Der 1916 gegründete Ziegenzuchtverein, der vormals 80 Mitglieder zählte, von denen 138 Tiere gehalten wurden, hat heute nur noch 5 Mitglieder, die zusammen 9 Ziegen halten. Langjähriger Jagdpächter ist der Fabrikant E. A. Ruhstrat.
Außer den bereits an anderer Stelle genannten Firmen Göttinger Farbfilter, Ochs, Rittmeyer und Ruhstrat gibt es im Ort noch folgende Betriebe: 1 Waffelfabrik, 3 Lebensmittelgeschäfte, von denen 2 mit Bäckereien verbunden sind, 3 Schlachtereien, 1 Gemischtwarengeschäft, 1 Drogerie, 2 Malergeschäfte, 1 Elektrogeschäft, 2 Gärtnereien, 1 Baumschule, 3 Bauunternehmer und ein Teilbetrieb der Firma Raulf, 4 Gastwirtschaften (einschl. des Wellbrückenkruges), und 1 Damenfriseur. Freiberuflich tätig ist 1 prakt. Arzt. Ganz in den Dienst der Landwirtschaft stellt sich das Unternehmen Klöppner, das 4 Mähdrescher, 1 Saatgutreinigungsmaschine, 2 Kartoffelpflanzmaschinen, 1 Strohdruckpresse, 1 Rübenroder und eine Holzschneidemaschine unterhält.
Handwerklich tätig sind zur Zeit 1 Schmied, 1 Stellmacher, 1 Schneider, 1 Ofensetzer. Nicht mehr vorhanden sind Sattler und Schuhmacher. Das Fehlen eines Schuhmachers, von denen es hier zeitweilig 3 gab, wird recht unangenehm empfunden.
Viele Einwohner finden ihre Arbeit außerhalb Lenglerns. So fahren von den 1250 Einwohnern rd. 250 sogen. Pendler nach ihren auswärtigen Arbeitsplätzen. Von außerhalb kommen rd. 375 Pendler nach Lenglern.
Möge dem Dorf Lenglern eine friedvolle Zukunft und eine gedeihliche Weiterentwicklung beschieden sein!
Zusammengestellt aus der Schulchronik, aus Gemeindeakten und Berichten der Vereine und Betriebe.